Für Menschen mit Beeinträchtigungen können Websites schwer zu bedienen sein: Fehlende Alternativtexte für Bilder, umständliches Design, unverständliche Texte, sich automatisch abspielende Videos oder unzureichende Farbkontraste können das Besuchen von Websites unnötig erschweren. Mit dem neuen European Accessibility Act sollen nun Unternehmen in die Pflicht genommen werden, auf diese Umstände zu achten. Empfehlungen des World Wide Web Consortiums (W3C), die in den Web Content Accessibility Guidelines (WCAG) zusammengefasst sind, werden damit verbindlich. In Deutschland wird das über das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz geregelt. Ab Juni nächsten Jahres müssen viele Unternehmen daher höhere Anforderungen bezüglich Barrierefreiheit erfüllen.
Unternehmen sollten erkennen, dass dies keine unnötige Reglementierung ist, sondern eine Chance, ihre Websites auf den neusten Stand zu bringen. Denn allein in Deutschland gibt es fast acht Millionen Menschen mit Beeinträchtigungen. Davon sind mehr als drei Viertel über 55 Jahre alt. Beeinträchtigungen beim Nutzen von Websites ist damit nicht nur ein Thema von Menschen mit Behinderungen, sondern erleichtert auch älteren Userinnen und Usern den Umgang mit Websites. Hinzu kommen Personen, die zeitweise beeinträchtigt sind, zum Beispiel durch Unfälle, kurzfristige technische Schwierigkeiten oder ihre Umwelt.
Viele Kriterien, die an barrierearme oder barrierefreie Seiten gestellt werden, bringen Vorteile für die Suchmaschinenplatzierung sowie die Verweildauer von Websitebesucherinnen und -besuchern und sorgen insgesamt für eine bessere User Experience. Diese wiederum führt bei Onlineshops beispielsweise zu einer höheren Conversion Rate. Barrierefreie Seiten sind für Unternehmen also mehr als ein Aushängeschild, dass Inklusion ernst genommen wird: Sie unterstützen aktiv ihre Geschäftsmodelle. Einfach zu lesende Texte, gute Kontraste und Videos mit Untertiteln sind daher nicht nur ein Angebot an Menschen mit Behinderungen – sie kommen allen zugute und sollten daher ernst genommen werden.