Was bleibt vom PDF? Was bringt HTML? Und wie schlagen sich die Berichte in Sachen Performance, Barrierefreiheit und CO₂-Footprint? Die neue Ausgabe des Trendmonitors von RYZE Digital zeigt, wie sich die DAX-40-Unternehmen 2024 in ihrer Geschäftsberichterstattung positionieren. Wir haben die Formate, Features und digitalen Strategien erneut unter die Lupe genommen – und stellen die spannendsten Entwicklungen und Trends vor.
Die Studie im Überblick
Seit 14 Jahren untersuchen wir die digitalen und klassischen Formate der DAX-40-Geschäftsberichte. Ziel ist es, Entwicklungen sichtbar zu machen, Benchmarks zu etablieren und Impulse für die Reporting-Praxis zu setzen. Im aktuellen „Trendmonitor DAX 40“ wurden die Berichte des Geschäftsjahres 2024 analysiert – unter Berücksichtigung eines weiterentwickelten Kriterienkatalogs, der seit 2024 Aspekte wie Maschinenlesbarkeit, mobile Optimierung, SEO, Barrierefreiheit und ökologische Nachhaltigkeit einbezieht.
Die Studie bietet nicht nur einen Überblick über den Status quo, sondern formuliert auch zentrale Thesen zur künftigen Ausrichtung der Finanz- und Nachhaltigkeitsberichterstattung. Vor allem mit Blick auf die steigende Komplexität durch die CSRD und den digitalen Strukturwandel zeigen sich deutliche Verschiebungen im Medienverhalten und den technologischen Anforderungen an moderne Geschäftsberichte.
Medienmix: Das PDF lebt – aber HTML gewinnt
PDF bleibt gesetzt – aber HTML gewinnt an Bedeutung. Auch 2024 stellen alle 40 DAX-Unternehmen ihren Bericht als PDF zur Verfügung. Gleichzeitig bieten 22 Unternehmen (55 %) eine Onlineversion an – ein leichter Rückgang im Vergleich zum Vorjahr. Während der Anteil an sogenannten „Teil-HTML“-Lösungen deutlich sinkt, bleibt die Anzahl an vollständig in HTML umgesetzten Online-Geschäftsberichten stabil bei 11.
Unternehmen wie BASF, DHL Group, Deutsche Telekom, Porsche und adidas setzen bereits vollständig auf HTML – und bieten ihren Stakeholdern eine bessere Usability, Interaktivität und responsives Design auf allen Endgeräten.
Umsetzung der Onlineberichte – 4-Jahres-Vergleich
Digitale Reife: Vom PDF-Viewer bis zum KI-Avatar
Die Bandbreite digitaler Umsetzung ist enorm: Während einige Unternehmen interaktive Dashboards, CEO-Videos, Filterfunktionen und Sharing-Optionen integrieren, setzen andere noch immer auf eingebettete, nicht-responsive PDF-Viewer. Besonders hervorzuheben sind folgende Umsetzungen:
- DHL Group: bietet einen „Quick Access“-Dashboard mit Filterfunktion, Bookmarking und CEO-Videos.
- SAP: experimentiert mit einem KI-generierten Avatar, der Inhalte audiovisuell zusammenfasst.
- adidas: integriert eine Markier- und Sharing-Funktion, mit der Textpassagen direkt auf Social Media geteilt werden können.
Diese Beispiele zeigen, wie unterschiedlich Reifegrad und Innovationsfreude im digitalen Reporting aktuell ausfallen.
KI-generierter Video-Avatar bei SAP
Performance & Barrierefreiheit: Viel Luft nach oben
Ein überzeugender digitaler Bericht muss nicht nur ansprechend gestaltet sein – auch technische Kennzahlen wie Ladegeschwindigkeit, Mobiloptimierung und Barrierefreiheit sind entscheidend. Die Analyse zeigt: Nur 19 der 22 Onlineberichte sind vollständig responsiv umgesetzt.
Die Performance-Tests (via Google PageSpeed) zeigen große Unterschiede. Einige Berichte laden in unter einer Sekunde, andere benötigen deutlich länger – besonders auf mobilen Endgeräten. Auch bei der Barrierefreiheit gibt es Aufholbedarf. Weniger als die Hälfte der Onlineberichte erfüllen grundlegende Anforderungen wie kontrastreiche Darstellung, Alternativtexte und Screenreader-Kompatibilität.
Performance-Messung mobil & desktop – GB 2024
CO₂-Fußabdruck: Formatvielfalt trifft Umweltbewusstsein
Der ökologische Fußabdruck digitaler Inhalte ist längst ein relevantes Thema – auch im Reporting. Die Studie analysiert erstmals den CO₂-Ausstoß pro Seitenaufruf der Onlineberichte. Das Ergebnis ist ernüchternd: Von 22 getesteten Berichten erhalten nur 1 eine A- oder A+-Bewertung, 13 hingegen fallen mit „F“ durch.
Größte Hebel für Verbesserung liegen in Bildkompression, Hosting, Codequalität und Effizienz der verwendeten Frameworks. Wer HTML-Reporting einsetzt, sollte Nachhaltigkeit konsequent mitdenken – auch das ist Teil der Corporate Responsibility.
CO₂-Fußabdruck der OGB – GB 2024
Trendmonitor DAX 40 2025
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Content & Interaktion: Mehr Inhalt, mehr Möglichkeiten
Durch die Integration der Nachhaltigkeitsthemen im Zuge der CSRD ist der Umfang der Berichte deutlich gestiegen: Im Schnitt umfasst ein Geschäftsbericht 2024 rund 381 Seiten – ein Plus von 21 % gegenüber dem Vorjahr. Gleichzeitig steigt auch die Interaktivität:
- 87 % der PDFs bieten ein klickbares Inhaltsverzeichnis
- 80 % enthalten Lesezeichen
- 50 % verlinken Inhalte ins Web
- 11 Unternehmen bieten interaktive Kennzahlenvergleiche
Multimediale Formate wie Animationen, Videos oder interaktive Grafiken kommen häufiger zum Einsatz – etwa bei adidas, Beiersdorf oder DHL. Beiersdorf etwa setzt auf Gamification-Elemente in Form eines integrierten Quizzes.
Interaktivität im PDF – 4-Jahres-Vergleich
Sichtbarkeit & SEO: Ein unterschätztes Potenzial
Trotz wachsender Bedeutung digitaler Sichtbarkeit unterschätzen viele Unternehmen die Rolle von SEO im Reporting. 5 der analysierten Onlineberichte sind bei Google überhaupt nicht auffindbar. Weitere 13 ranken für weniger als 50 relevante Keywords – oft nicht einmal für die Kombination aus Unternehmensname und „Geschäftsbericht“.
Einzelne Positivbeispiele wie E.ON (154 Keywords) zeigen, was möglich ist, wenn Metadaten, URL-Struktur, semantische HTML-Auszeichnung und gezielte Keyword-Optimierung richtig eingesetzt werden.
Trends & Thesen: Haltung zeigen
Aus den Analysen der vergangenen Jahre lassen sich nicht nur Entwicklungen in Zahlen und Formaten ablesen – es entstehen auch klare strategische Muster. Der diesjährige Trendmonitor formuliert dazu fünf Thesen, die den Wandel in der Berichterstattung prägnant zusammenfassen. Sie zeigen: Reporting ist längst kein reines Compliance-Instrument mehr. Es wird zur Visitenkarte unternehmerischer Haltung, zur Plattform für Dialog und Positionierung.
Dabei geht es nicht nur um Design oder Technologie, sondern um grundlegende Fragen: Wie ernst nimmt ein Unternehmen seine Stakeholder? Welche Rolle spielen Nutzerfreundlichkeit, Zugänglichkeit und Transparenz? Und wie lassen sich komplexe Inhalte in einem zunehmend digitalen Umfeld klar, interaktiv und nachhaltig kommunizieren?
Diese Thesen geben Orientierung für IR-Verantwortliche und Kommunikationsprofis, die den nächsten Schritt im Reporting denken – strategisch, zukunftsgerichtet und mit dem Nutzer im Fokus.
- Ganz oder gar nicht: Teil-HTML-Formate verlieren an Bedeutung – Unternehmen setzen entweder auf reines PDF oder vollständiges HTML.
- Das PDF stößt an Grenzen: Mit über 500 Seiten wird Usability zum Problem. HTML bietet hier klaren Mehrwert.
- Sichtbarkeit braucht Struktur: Wer HTML-first denkt, profitiert bei SEO, KI-Sichtbarkeit und Reichweite.
- Die Zukunft ist formatfrei: Inhalte werden künftig über ein zentrales System in alle Kanäle ausgespielt – unabhängig vom Endformat.
- Reporting ist Haltung: Die Qualität des Berichts zeigt, welchen Stellenwert Stakeholder im Unternehmen wirklich einnehmen.
Fazit: Reporting neu denken, Stakeholder aktiv erreichen
Der Wandel in der Berichterstattung ist keine Frage des Formats – sondern eine Frage der Haltung. Unternehmen, die Reporting als strategisches Kommunikationsinstrument begreifen, sichern sich Vorteile in Sichtbarkeit, Relevanz und Vertrauen.
Digitale Lösungen, die nutzerzentriert, effizient und nachhaltig gestaltet sind, werden zum neuen Standard – besonders im Dialog mit Investoren, Analysten und der Öffentlichkeit. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, den nächsten Schritt zu gehen.
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